Carrier-Screening

genetikum
Mit Hilfe des genetikum Carrier-Screenings können verdeckte Anlageträgerschaften für genetisch bedingte Erkrankungen bei Paaren mit Kinderwunsch erkannt werden.

 

- Blutsverwandte Paare haben ein erhöhtes Risiko für die Geburt eines Kindes mit einer autosomal-rezessiven Erkrankung.

 

- Auch bei nicht-blutsverwandten Paaren mit unauffälliger Familienvorgeschichte kann eine entsprechende Risikokonstellation vorliegen.

 

- Gesunde Frauen können Anlageträgerinnen für geschlechtsgebunden vererbte Erkrankungen sein.

 

Wie wird eine autosomal rezessive Erkrankung vererbt?

 

Der Mensch trägt einen doppelten Satz an Erbanlagen, wobei die Hälfte über die Eizelle der Mutter und die andere Hälfte über die Samenzelle vom Vater ererbt wurde. Bei der autosomal-rezessiven Vererbung sind beide Eltern Überträger einer heterozygoten (=eine von zwei Genkopien betreffenden) Mutation in demselben Gen. Die Eltern sind gesund, da sie über eine zweite, funktionsfähige Genkopie verfügen. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 25 % treffen die beiden mutierten Genkopien bei einem Kind zusammen und führen dann zu einer entsprechenden Erkrankung. Jeder Mensch trägt durchschnittlich 5 bis 10 rezessive Mutationen, die bei gleichzeitiger Anlageträgerschaft des Partners eine kindliche Erkrankung bedingen können.

 

Die häufigste autosomal rezessive Erkrankung in Mitteleuropa ist die Cystische Fibrose (Mukoviszidose), die aufgrund von Entzündungen der Atemwege zu einer Zerstörung des Lungengerüstes und einer verminderten körperlichen Belastbarkeit führt. Die Prognose der Betroffenen hat sich durch medizinische Fortschritte bis hin zur Lungentransplantation deutlich gebessert. Bei der spinalen Muskelatrophie, einer ebenfalls häufigeren autosomal rezessiven Erkrankung, kommt es zu einem fortschreitenden Abbau von Nervenzellen im Rückenmark. Trotz Fortschritten in der Behandlung ist die Prognose für viele Patienten immer noch ungünstig.

 

Was bedeutet das Auftreten einer autosomal rezessiven Erkrankung für ein Kind?

Die verschiedenen autosomal-rezessiv vererbten Erkrankungen bedingen unterschiedlichste Krankheitsbilder mit unterschiedlichster Prognose.

 

Manche mit unserem Panel untersuchten Erkrankungen sind nicht mit einem Überleben  vereinbar  und  führen  bereits  während  der  Schwangerschaft  zu einem Fruchttod. Bei anderen Krankheiten ist mit einer schwerwiegenden angeborenen,  geistigen  oder  körperlichen Behinderung zu rechnen. Teilweise sind bei  frühzeitigem  Ergreifen  von  therapeutischen  Maßnahmen  Lebenserwartung und Lebensqualität praktisch nicht beeinträchtigt, für andere Erkrankungen stehen  keine  Behandlungsmöglichkeiten  zur  Verfügung.  Unter  Umständen kann  auch  eine  Risikokonstellation  für eine  später  im  Leben  auftretende,  die Lebenserwartung  nicht  beeinträchtigende  Erkrankung  aufgedeckt  werden, für die derzeit noch keine oder nur sehr eingeschränkten therapeutischen Möglichkeiten  zur  Verfügung  stehen.  Dementsprechend unterschiedlich gestalten sich auch die Überlegungen und Konsequenzen der Paare im Falle eines auffälligen Untersuchungsergebnisses.

Was wird bei dem genetikum Carrier-Screening getestet?

Wir bieten die Wahlmöglichkeit zwischen zwei Testversionen an.

 

  • Version 1 untersucht eine Auswahl häufiger autosomal rezessiver und X-chromosomaler Erkrankungen (21 Erkrankungen). Methodisch werden dabei zwei Analysemethoden (Sequenzierung und MLPA) kombiniert, so dass krankheitsverursachende Genveränderungen mit sehr hoher Sicherheit erkannt werden können.

 

  • Version 2 umfasst Anlageträgerschaften für eine große Anzahl von Erkrankungen (ca. 600 Gene); zu beachten sind dabei die aufgeführten Limitationen.

Welche Möglichkeiten bestehen, wenn bei der Untersuchung eine Auffälligkeit festgestellt wird?

Wird eine Anlageträgerschaft für dieselbe autosomal rezessive Erkrankung bei beiden Partnern festgestellt, bedeutet dies ein Risiko von jeweils 25 % bei einer jeden Schwangerschaft für das Auftreten dieser Erkrankung. Das weitere Vorgehen  wird  durch  die  individuelle  Entscheidung des betroffenen Paares sowie gesetzliche Vorgaben bestimmt. Grundlage dafür sind ausführliche Informationen über das zu erwartende Krankheitsbild,  ggf.  auch  die  Übermittlung  von Kontakten zu betroffenen Familien und auch  die  Vermittlung  psychosozialer Gesprächsangebote, damit das Paar die mutmaßlich  richtige  Entscheidung  in seiner individuellen Lebenssituation bezüglich  der  weiteren  Familienplanung treffen kann.

 

Ist im Vorfeld ein Risiko für eine schwerwiegende,  frühmanifeste  kindliche Erkrankung  bekannt,  kann  ab  der  11. Schwangerschaftswoche mittels invasiver pränataler Untersuchungsverfahren geklärt werden, ob ein erwartetes Kind betroffen  ist  oder  nicht. Vorgeburtliche Behandlungsmethoden  existieren  allerdings  in  aller  Regel  nicht,  mögliche Konsequenz wäre eine Entscheidung für einen Abbruch  der  Schwangerschaft. Zur Vermeidung von Schwangerschaftsabbrüchen stehen  mittlerweile  auch hochspezialisiere  Verfahren der  Reproduktionsmedizin, wie beispielsweise die PID  (Präimplantationsdiagnostik),  zur Verfügung, die bei entsprechender Indikation mit dem in Deutschland geltenden Gendiagnostikgesetz  in Einklang stehen und in Deutschland durchgeführt werden können.

 

Für  einzelne  Erkrankungen hilft  ein frühzeitiges Wissen für die Geburtsplanung,  die  Einbeziehung von Spezialisten sowie ggf. das rechtzeitige Ergreifen therapeutischer  Maßnahmen nach der Geburt.

Wie wird das Heterozygoten-Screening durchgeführt?

In Deutschland gilt das Heterozygoten-Screening als sogenannte prädiktive Untersuchung, die gemäß dem in Deutschland geltenden Gendiagnostikgesetz verpflichtend an eine vorherige genetische Beratung durch einen Facharzt für Humangenetik oder durch einen für eine entsprechende fachgebundene genetische Beratung qualifizierten Arzt gebunden ist. Diese Regelung wurde auch deshalb getroffen, da erfahrungsgemäß molekulargenetische Befunde nicht selten missinterpretiert werden und zu unnötigen Ängsten und biographischen Fehlentscheidungen führen können. Sollten nach einer Entscheidung für das genetikum Carrier-Screening auffällige Befunde erhoben werden, stehen wir Ihnen für erneute Rückfragen und Gespräche für Ihre Patienten selbstverständlich zur Verfügung.

 

Das genetikum Carrier-Screening ist eine Selbstzahlerleistung, die aktuellen Preise finden Sie auf unserer Homepage. Sollte im Rahmen der vorhergehenden Beratung aufgrund von Auffälligkeiten in der Eigen- oder Familienanamnese eine Indikation für eine genetische Untersuchung gestellt werden, können Teilleistungen u. U. als Kassenleistung abgerechnet werden.

Weitere Informationen zur Auswertung

Bei der standardisierten Auswertung des Carrier-Screenings werden nur Mutationen berichtet, die als sicher oder wahrscheinlich krankheitsverursachend gelten (sog. VUS4 oder 5). Außerdem wird die Auswertung so durchgeführt, dass genetische Veränderungen, die nur bei einem der Partner vorliegen, nicht berichtet werden (Ausnahme: X-chromosomale Erbanlagenveränderungen).

Limitationen des Verfahrens

Das  Screening  bedeutet  bei  unauffälligem Ergebnis eine Risikoreduktion, deckt jedoch nicht alle krankheitsverursachenden Mutationen in der Sequenz der gelisteten Gene auf (Qualitätsstufe Typ  C). Nicht detektiert werden zudem Mutationen in Regulationseinheiten sowie nicht kodierenden Bereichen und insbesondere – sofern nicht separat aufgeführt – intragenische Deletionen und Duplikationen, die bei manchen Krankheitsbildern den hauptsächlichen Mutationstyp darstellen. Betreffend die Datenauswertung gilt, dass die Klassifizierung genetischer Veränderungen aufgrund der Einträge in die gängigen Datenbanken zum Zeitpunkt der Generierung des Untersuchungsergebnisses erfolgt. Seltene Polymorphismen können das Erstellen eines falsch-positiven oder falsch-negativen Befundes bedingen. Ein negatives Testergebnis schließt nicht komplett aus, dass ein Kind mit einer gelisteten oder anderweitigen genetisch oder nicht genetisch bedingten Erkrankung geboren wird.