Fehlgeburt: Was bedeutet das für Sie?

Für jede Frau, die sich auf ihr Baby freut, ist es ein schmerzliches Erlebnis: Die Eine Blutung macht alle Hoffnungen zunichte. Auch wenn Sie den Verlust als individuellen Schicksalsschlag erlebt haben: Sie sind kein Einzelfall. Fehlgeburten kommen sehr häufig vor. 50 Prozent aller Schwangerschaften enden, kaum dass sie begonnen haben. Die meisten schon, ehe die betroffenen Frauen wussten, dass sie schwanger waren. Von den bereits medizinisch bestätigten Schwangerschaften gehen etwa 15 bis 20 Prozent mit einer Fehlgeburt zu Ende. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies passiert, erhöht sich mit zunehmendem Alter der Mutter.

Aus biologischer Sicht ist ein einmaliger Schwangerschaftsverlust nichts Ungewöhnliches. Anders stellt sich die Situation dar, wenn Sie bereits zwei oder mehr Fehlgeburten erlitten haben. Auch wenn diese nicht nacheinander stattgefunden haben, sind eine sorgfältige Abklärung der möglichen Ursachen sowie eine Genetische Beratung zu empfehlen!

Chromosomenstörung & weitere Ursachen

Gehäufte Fehlgeburten: Meist liegt es an einer Chromosomenstörung

Mehr als die Hälfte aller Fehlgeburten gehen auf eine Chromosomenstörung beim Embryo zurück. In den meisten Fällen ist diese das zufällige Ergebnis der komplexen Vorgänge rund um die Befruchtung. Treffen bei der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle fehlerhafte Zellen aufeinander – zum Beispiel Ei- und Samenzellen mit überzähligen oder im Gegenteil fehlenden Chromosmen –  stirbt der Embryo in den meisten Fällen ab.

Bei etwa fünf Prozent der Paare mit gehäuften Fehlgeburten handelt es sich aber um eine vererbbare Störung. So können im Erbgut eines der beiden Partner kleine Abschnitte der Chromosomen untereinander ausgetauscht sein. Für den Träger dieser Anlage hat das keine Folgen: Er ist körperlich und geistig gesund. Doch bei der Aufteilung der Chromosomen in Samen- bzw. Eizelle und der späteren Befruchtung passieren womöglich Fehlkombinationen, die  zum späteren Absterben der Frucht oder zu Fehlentwicklungen beim Kind führen.

Ob bei Ihnen oder Ihrem Partner eine vererbbare Chromosomenveränderung vorliegt, lässt sich durch eine Blutuntersuchung klären.


Was sind Chromosomen?
Chromosomen sind Strukturen in den Zellkernen, die unser Erbgut tragen. Rund 20 000 Gene sind auf 46 Chromosomen verteilt – präziser: auf 23 Chromosomen-Paaren mit je zwei sich entsprechenden Chromosomen. In den Zellkernen von Männern gibt es ein ungleiches Paar: Bei ihnen sind die Geschlechts-Chromosomen nicht identisch. Männer tragen in ihren Zellen ein sogenanntes X- und ein Y-Chromosom. Bei Frauen sind es zwei X-Chromosomen.


Weitere Ursachen: Risikofaktoren, die Fehlgeburten begünstigen

Haben Sie bereits zwei oder mehrere Fehlgeburten erlitten, sollte auch an andere Risikofaktoren als eine Chromosomenstörung gedacht werden. Hier die wichtigsten:

Störungen der Blutgerinnung:
Sie beeinträchtigen die Durchblutung der Plazenta und stören deren für das Ungeborene lebenswichtige Funktionen. Dahinter können verschiedene Defekte, darunter auch erblich bedingte, stecken.

Organische Ursachen:
Angeborene Fehlbildungen der Gebärmutter können für den Embryo so ungünstige Wachstumsbedingungen herstellen, dass er abstirbt. Auch Myome (gutartige Wucherungen) stehen unter Umständen einer gesunden Entwicklung im Weg. Ob eine (und welche) Untersuchung sinnvoll ist, sollte gemeinsam mit dem betreuenden Frauenarzt besprochen werden.

Stoffwechsel- und Immunerkrankungen:
Als weitere Risikofaktoren für die gesunde Entwicklung einer Schwangerschaft kommen Hormonstörungen in Frage, die durch Fehlfunktionen von Schilddrüse, Hypophyse und Eierstöcken ausgelöst werden. Auch ein unbehandelter oder schlecht eingestellter Diabetes sowie einige seltene Autoimmunkrankheiten können Gründe für gehäufte Fehlgeburten sein.

Genetische Untersuchungen erlauben, das Wiederholungsrisiko einer Fehlgeburt sowie geeignete Therapiemöglichkeiten zu erkennen.

Diagnose

Gehäufte Fehlgeburten: So können wir Ihnen helfen

Bei der Genetischen Beratung besprechen unsere speziell ausgebildeten Ärzte ausführlich mit Ihnen Ihre individuelle Situation und Ihre medizinische Vorgeschichte. Wir informieren Sie über mögliche Ursachen für die Fehlgeburten, die sich mit Blick auf Besonderheiten in Ihrer Familie und Verwandtschaft ergeben. So können zum Beispiel Thrombosen, die bei Eltern oder Geschwistern aufgetreten sind, ein Hinweis auf eine familiär bedingte Blutgerinnungs-Problematik sein. Im Fokus stehen auch mögliche Chromosomenstörungen, Autoimmun- und Stoffwechselerkrankungen sowie Hormonstörungen.

Wir informieren Sie über die verschiedenen Verfahren der genetischen Diagnostik und besprechen mit Ihnen den Ablauf der Untersuchungen. Selbstverständlich sind auch die jeweiligen Behandlungsmöglichkeiten ein wichtiger Teil der Genetischen Beratung.


Wie vereinbare ich eine Genetische Beratung?
Die Abklärung genetischer Ursachen kann über Ihren Frauenarzt oder im Rahmen einer Genetischen Beratung in unserer Praxis erfolgen. Das erforderliche Entnahme- und Versandmaterial stellen wir Ihrem Frauenarzt zur Verfügung. Der Probenversand ist problemlos per Post möglich. Für die Genetische Beratung in unserer Praxis sollten Sie sich ein bis zwei Stunden Zeit nehmen. Im Anschluss erhalten Sie von uns einen Arztbrief, den Sie auch mit Ihrem Frauenarzt besprechen können. Die Kosten für die Genetische Beratung und Diagnostik werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Patientenflyer
Fehlgeburt
Download PDF

Für Fragen

Wir stehen Ihnen für Ihre Fragen auch persönlich zur Verfügung unter Telefon 0731 984900