Fallbeispiel Pädiatrie: Entwicklungsverzögerung und Epilepsie

Dr. med. Maren Wenzel
Entwicklungsverzögerung und Epilepsie: Klinisches Exom mit Symptom-basierter Auswertung nach HPO (human phenotype ontology) führte zur Diagnose.
Erste Vorstellung in der Genetischen Beratung:
Zusammen mit ihren Eltern kam Marie im Alter von 13 Jahren wegen einer unklaren Entwicklungsverzögerung und einer Epilepsie in unsere genetische Sprechstunde. Das freundliche Mädchen war in einem guten Allgemein- und Ernährungszustand mit stämmiger Figur und Kleinwuchs. Auffällig waren ein flaches Mittelgesicht, beidseitige, lateral abfallende Lidachsen sowie eine Zahnfehlstellung mit Karies. Ihre Haut war sehr weich ohne abhebbare Falten, die Gelenke hypermobil und die Daumenendglieder breit. An beiden Händen fielen ein leicht verkürzter vierter Strahl und an den Füßen ein deutlich verkürzter vierter Strahl auf. Die Eltern berichteten, dass sie selbst miteinander verwandt (Cousine / Cousin 1. Grades) sind und zwei weitere gesunde Töchter und einen gesunden Sohn haben. Die Schwangerschaft verlief unkompliziert und die Geburt erfolgte spontan nach 38 SSW. Bereits bei der U3 wurde bei Marie mit 47 cm ein Kleinwuchs dokumentiert, der auch im weiteren Verlauf bei gleichzeitig unauffälligem Kopfumfang bestehen blieb. Zudem fielen bei der U3 eine beidseitige Hüftluxation und eine Gaumenspalte auf, beides wurde operativ behandelt. Im Rahmen einer Echokardiographie wurde eine Lücke im Vorhofseptum (ASD II) entdeckt. Der zunächst offene Ductus arteriosus verschloss sich spontan. Die Eltern berichteten zudem, dass Marie erst im Alter von 8-9 Jahren erste Schritte gelangen. Auch zeigten sich bei ihr eine Hypermobilität der Gelenke sowie eine auffällig dehnbare Haut. Wegen wiederholter Patellaluxationen mussten bei Marie an beiden Kniescheiben Operationen vorgenommen werden. Im Alter von 12 Jahren trat der erste Krampfanfall auf und bei einem erneuten Anfall im Alter von 13 Jahren wurde die Diagnose Epilepsie gestellt und eine medikamentöse Therapie begonnen. Durch ein vorliegendes cMRT und eine bereits durchgeführte Muskelbiopsie ergaben sich keine Anhaltspunkte.
Eine zu diesem Zeitpunkt bereits extern durchgeführte Chromosomenanalyse sowie die in unserem Haus durchgeführte array-CGH ergaben unauffällige Befunde. Es wurden molekulargenetische Einzel-Gen-Analysen des FLNB-Gens, des B3GAT3-Gens und CHST3-Gens durchgeführt, die jeweils unauffällig waren.

 

Leukämoide Reaktion und schwere Ernährungsstörung im Säuglingsalter als besondere Symptome des Noonan-Syndroms
Prof. Dr. Dr. Birgit Zirn

Ein Fall aus der Pädiatrie: Diagnosestellung mittels TRIO-Whole-Exome-Analyse.
Dr. med. Maren Wenzel