Die Evolution der intellektuellen Fähigkeiten des Menschen

Prof. Dr. med. Horst Hameister
Das Intelligenz und kognitive Fähigkeiten des Menschen verschieden ausgeprägt sind, ist nichts Neues. Doch welche Rolle spielen dabei Geschlechtschromosomen? Auf der Basis neuer Genomdaten für den Menschen und andere Spezies hat sich ein Evolutionsgenetiker Gedanken zur Evolution der menschlichen Intelligenz gemacht.
Der wichtigste Einzelschritt in der Evolution ist die Fortpflanzung, also die Weitergabe der Gene an die nächste Generation. Dieser Weitergabe vorausgehend ist praktisch immer eine Paarung von verschiedenen Individuen, die bei der Hefe noch ganz einfach mit +/– und auf der Evolutionsstufe der Tiere und des Menschen als männlich und weiblich bezeichnet werden. Fortpflanzung ist also ein wesentliches biologisches Prinzip, und abgesehen von den asexuellen Mechanismen nie-derer Lebewesen hat sich Sex vielfach unabhängig voneinander und immer wieder sowohl bei Pflanzen als auch bei Tieren entwickelt. Sex ist dabei nicht als ein Mechanismus der Reproduktion entstanden, da diese Reproduktion asexuell wesentlich einfacher und schneller vonstatten gehen würde, sondern als ein Mechanismus, der die Vielfalt, damit die Diversität und letztendlich die Evolutionsgeschwindigkeit in der Lebenswelt erhöht. Denn während die asexuelle Fortpflanzung ein reiner Kopiermechanismus ist, bedeutet sexuelle Fortpflanzung die Neukombination der genetischen Anlagen, die Rekombination, deren sichtbarer zytogenetischer Ausdruck als Crossingover der Chromosomen bekannt ist. Durch diesen Mechanismus entstehen auch beim Menschen immer wieder neue, einzigartige Individuen, und in der Kombination der Gene unterscheiden sich alle jetzt lebenden 7 Milliarden Menschen voneinander.