Fra(X)-Syndrom

Synonym

Martin-Bell-Syndrom, Marker X-Syndrom

Letzte Aktualisierung am 17.10.2018



OMIM
Gen/Region
FMR1
Vererbungsweise
X-chromosomal
Methode
PCR, Southern-Blot
Material

3-5 ml EDTA-Blut

Dauer

2-3 Wochen

Erscheinungsbild

Das fra(X)-Syndrom ist eine der häufigsten Ursachen erblicher geistiger Behinderung. Die betroffenen Knaben haben meist ein längliches Gesicht und große Ohren und entwickeln eine Makroorchidie. Über die Hälfte der weiblichen Betroffenen weisen eine Lernbehinderung auf und etwa 20% eine geistige Behinderung. Männliche und weibliche Prämutationsträger haben keine Symptome im Sinne eines fra(X)-Syndroms. Insbesondere männliche Prämutationsträger entwickeln im höheren Alter neurologische Auffälligkeiten, die als FXTAS (fragile X associated tremor ataxia syndrome) bezeichnet werden. Etwa 10-20% der Prämutationsträgerinnen bekommen eine prämature Ovarialinsuffizienz (POI, POF) und eher selten ein FXTAS.

Pathogenese

Fast immer liegt eine Expansion des CGG-Repeats im FMR1-Gen vor: Vollmutation (über 200), Prämutation (55-200), Normalbereich (6-54). Bei Vollmutation wird die Promotorregion mit dem CGG-Repeat des FMR1-Gen methyliert, was zum Verlust der Genexpression und letztlich zu einem Fehlen des Proteins (FMRP) führt. Eine Vollmutation entsteht nur bei der Weitergabe eines bereits vollmutierten oder eines prämutierten Allels bei müttlerlicher Vererbung. Deletionen und Punktmutationen im FMR1-Gen sin selten Ursache eines fra(X)-Syndroms.

Indikationen

Unklare geistige Behinderung, unklare geistige Behinderung in der Familie, Fra(X)-Syndrom in der Familie, unklares Ataxie-Tremor-Syndrom im höheren Alter, unklare prämature Ovarialinsuffiziens.

Kosten

Abrechnung auf Kranken- oder Überweisungsschein nach EBM oder nach GOÄ mit den Krankenkassen. Humangenetische Untersuchungen belasten nicht das Laborbudget.