Fra(X)-Syndrom und FXTAS (Fragile-X-Tremor-Ataxia-Syndrome)

Synonym

Martin-Bell-Syndrom

Letzte Aktualisierung am 17.10.2018



OMIM
Gen/Region
FMR1
Vererbungsweise
X-chromosomal
Methode
PCR, Southern-Blot, Sequenzierung
Material

2 ml EDTA-Blut

Dauer

2 Wochen

Erscheinungsbild/Phänotyp

Häufigste Form einer monogen vererbten geistigen Behinderung beim männlichen Geschlecht. Mit zunehmendem Alter deutlicher werdende faziale Auffälligkeiten mit einem länglichen Gesicht und großen Ohren, Makroorchidie. Bei weiblichen Vollmutationsträgerinnen variable klinische Symptomatik. Etwa 20% bleiben intellektuell unauffällig, 60% zeigen leichten intellektuellen Entwicklungsrückstand und 20% weisen eine geistige Behinderung auf. Männliche Prämutationsträger sind nicht mental retardiert, können jedoch im höheren Alter ein neurologisches Krankheitsbild (FXTAS) entwickeln. Bei weiblichen Prämutationsträgerinnen tritt häufig eine vorzeitige ovarielle Insuffizienz auf, ein FXTAS ist eher selten.

Pathogenese

Verantwortlich ist eine Verlängerung des CGG-Repeats im Promotorbereich des FMR1-Gens (normal <58 CGGs; Prämutation 59 bis 200 CGGs; Vollmutation). Bei Vollmutation kommt es zur Methylierung des Promotorbereichs und letztlich zum Ausfall des FMR1-Proteins (FMRP). Das Protein selber spielt eine Rolle beim RNA-Transport und in der Regulation der Translation in der Synapse. In seltenen Fällen finden sich Deletionen oder Punktmutationen im FMR1-Gen.

Indikationen

Bei allen Formen von bisher ungeklärter mentaler Retardierung. Spät beginnende progressive Ataxie mit Intentionstremor, vorzeitige Ovarialinsuffizienz.

Kosten

Abrechnung auf Kranken- oder Überweisungsschein nach EBM oder nach GOÄ mit den Krankenkassen. Humangenetische Untersuchungen belasten nicht das Laborbudget.