Hereditäres nicht-polypöses kolorektales Karzinom

Name Gen OMIM-Erkrankung Material Dauer
Hereditäres nicht-polypöses kolorektales Karzinom MSH2 120435 2 ml EDTA-Blut 2-4 Wochen

Beschreibung

Inzidenz

Häufigste erbliche Darmkrebsform, betrifft ca. 5% aller Darmkrebsfälle. Bei ca. 75-80% der Genträger tritt ein Kolonkarzinom auf. Mittleres Diagnosealter 45 Jahre.

Erscheinungsbild

Das hereditäre kolorektale Karzinom ohne Polyposis (Hereditary Non-Polyposis Colorectal Cancer) zeigt folgende klinische Charakteristika: frühes Manifestationsalter (mittleres Alter bei Erstdiagnose 45 Jahre), häufig synchrone/metachrone Zweitkarzinome des Kolons und Rektums, bevorzugte Tumor-Lokalisation im rechten Hemikolon, Häufung extrakolonischer Tumormanifestationen (Endometrium, Ovar, Dünndarm, Magen, Hepatobiliäres System, ableitende Harnwege, Hirn),

Vererbungsweise

autosomal dominanter Erbgang (Penetranz etwa 80%)

Pathogenese

Derzeit sind mindestens 6 Gene bekannt, deren Keimbahnmutation bei Hinzutreten einer zweiten Mutation im entsprechenden betroffenen Darmgewebe zum Auftreten von hereditärem-nicht polypösen Dickdarm-Krebses führen kann: DNA-missmatch-Reparaturgene MLH1, MSH2, PMS1, PMS2, MSH6 und MLH3. Diese DNA-missmatch-Reparaturgene haben die Aufgabe, Fehler, welche bei der Replikation der DNA während der Zellteilung entstanden sind, zu entfernen. Aufgrund von fehlerhaften DNA-Reparaturmechanismen kommt es zur für die HNPCC typischen Microsatelliteninstabilität, die durch den Vergleich von repetitiven DNA-Sequenzen aus Tumorgewebe mit den repetitiven Sequenzen aus Blut sichtbar wird.

Diagnostik

Indikationen

Erfüllung der revidierten Bethesda-Kriterien (siehe Literatur)

Material

  • Tumorgewebe
  • 3 ml EDTA-Blut

Methode

Mikrosatellitenanalyse, gegebenenfalls Sequenzierung des jeweiligen Gens

Dauer

Mehrere Wochen bis Monate

Kosten

Abrechnung auf Kranken- oder Überweisungsschein nach EBM oder nach GOÄ mit den Krankenkassen. Humangenetische Untersuchungen belasten nicht das Laborbudget.

Therapie

Prophylaxe, chirurgisch, Nachsorge

Teilnahme am Früherkennungsprogramm für Anlageträger

Literatur

  1. Schulmann et al., Dtsch Ärztebl 101 (8): A506-A512 (2004)
  2. Aarnio et al., Int J Cancer 81: 214-218 (1999)
  3. Aaltonen et al., N Engl J Med 338: 1481-1487 (1998)